Schulung und Selbstmanagement können die Adhärenz verbessern

Um das ehrgeizige 90-90-90-Ziel der WHO zu erreichen, soll die Viruslast bei mehr als 90% der behandelten Patienten unter der Nachweisgrenze liegen. Dafür ist eine kontinuierlich hohe Adhärenz der Patienten erforderlich. Angesichts einer lebenslangen Therapie ist dies vermutlich für viele, wenn nicht alle Patienten eine Herausforderung.

Forscher aus den Niederlanden haben untersucht[1], welchen Beitrag eine regelmäßige Beratung durch dafür speziell ausgebildete Pflegekräfte zur Verbesserung der Adhärenz leisten kann. Dafür wurde das im Jahr 2003 von der gleichen Arbeitsgruppe entwickelte AIMS-System (Adherence Improving Self-Management Strategy, Selbstmanagement-Strategie zur Adhärenzverbesserung) verwendet.

AIMS basiert auf persönlichen Gesprächen zwischen Patient und Pflegekraft bei jedem Routinebesuch. Die Patienten planen während der Gespräche wann, wo und wie sie ihre Therapie einnehmen wollen, sie setzen sich Ziele für ihre Adhärenz. Als Unterstützung dienen erläuternde Grafiken, Beispiele für gute und schlechte Adhärenz sowie elektronische Tablettendosen, die jede Tablettenentnahme registrieren. Regelmäßige Nachfragen zu Erfolgen und Problemen sowie Feedback zum Therapieverlauf (Viruslast, CD4-Zellzahl) ergänzen das Programm. So sollen Patienten in die Lage versetzt werden, ihre Adhärenz selbst zu managen und zu kontrollieren.

Dass AIMS funktioniert, zeigen die kürzlich veröffentlichten ersten Ergebnisse. Zum einen hatten die AIMS-Patienten in der bisherigen Nachbeobachtungszeit von 15 Monaten eine niedrigere Viruslast als eine Kontrollgruppe ohne AIMS. Darüber hinaus konnte in einer Modellberechnung gezeigt werden, dass die Zahl der qualitätskorrigierten Lebensjahre (QALYs) steigt und dass AIMS kosteneffektiv ist.

 

[1] De Bruin M et al. Lancet Infect Dis. 2017 Jun;17(6):595-604

DE/HIV/0183/17